openhouse

Dokumentation Andreas Diefenbach
Hessisches Projektstipendium Hessen innovativ neu eröffnen

Durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen ist die Auseinandersetzung mit gesellschaftli-chen Fragen, die sich in dieser globalen Krise stellen, noch stärker in den Fokus meiner künstlerischen Arbeit gerückt: Fragen nach Nachhaltigkeit, Umgang mit Ressourcen, dem Wert von Arbeit und Handwerk.

In meinem Projekt Open House nehme ich diese Fragen als Ausgangspunkt für meine Auseinandersetzung mit Mode und Konsum. In deren Zentrum stehen Mode-Editionen, die über ihre Gestaltung aktuelle Denk- und Konsummuster dekonstruieren.

Realisiert wurden Jacken und Hosen aus Restmaterialien. Als Basis dienten Schnitte, die ich für dieses Projekt erstellt habe. Diese Grundlage wurde im Laufe des Projekts künstlerisch bearbeitet und weitergetrieben, um ein in Herstellung und Funktionalität nachhaltiges ästhetisches Produkt zu entwickeln.

An diesem Projekt habe ich von Anfang Oktober 2020 bis Ende Januar 2021 gearbeitet.
An den Jacken und Hosen habe mit verschiedenen Herangehensweisen gearbeitet, abhängig vom Material, das ich nutzen konnte. Im Sinne des Zero-Waste-Gedankens zur nachhaltigen Nutzung der uns zur Verfügung stehenden Rohstoffe, habe ich sowohl große Stoffflächen gebrauchten Materials (z.B. von alten Bundeswehrzelten) genutzt, als auch kleinere Stoffstücke, etwa aus ausrangierter Kleidung oder Reklamationsware mit kleinen Fehlern von einem befreundeten Modelabel, die sonst auf dem Müll gelandet wären. Diese haben wir dann zu einem großen Flicken Patchwork zusammengenäht, der uns dann als neu gewonnenes Material für meine Schnitte diente. Das konnte etwa so aussehen: Aus zwei alten Hosen und einer zerschnittenen Jacke wurde eine neue Jacke – Im Grunde genommen eine Resteverwertung, wie sie meine Großmutter und deren Mutter in der Nachkriegszeit schon betrieben haben. Inzwischen haben sich der Wert der Arbeit und die Arbeitsbedingungen in der heutigen Zeit um 180 Grad gewendet – auch das sollen meine Kleidungsstücke sichtbar machen.

Bei dem Projekt, habe ich mit Helga Hanß (einer befreundendeten Schneiderin) zusammengearbeitet. Bei ihr habe ich mich fortgebildet und meine Fähigkeiten ausgebaut. Durch die intensive Auseinanderset-zung mit den Materialien hat sich meine Wertschätzung für diese und damit mein Bewusstsein enorm verändert, auch mein Blick für die Qualität, die den ausrangierten Teilen inne-wohnt. Daher war mir wichtig, diesen eine Chance auf ein zweites Leben zu geben. Die im Projekt entstandenen Kleidungsstücke machen für ihre Träger*innen/Betrachter*innen diese Aspekte erfahrbar.
Ziel war eine Arbeit, die sowohl künstlerisch als Skulptur sowie auch funktional bestehen kann und zugleich aktuell relevante Fragen an den Betrachter/Benutzer stellt. Die Kunstobjekte sind somit zugleich Kleidungsstücke, die getragen und benutzt werden und immer wieder Anstoß geben, Denk- und Konsummuster zu reflektieren. Wie unsere Gesellschaft mit ihren Ressourcen umgeht, materiell wie ideell, ist für mich ein zentraler Punkt in der aktuellen Situation und in diesem Projekt. 
Einige konkrete Umsetzungsbeispiele:

Neben Jacken und Hosen mit eigenen Schnitten haben wir T-Shirts, Sweatshirts und Jacken, die mir ebenfalls von Freunden geschenkt wurden neu vernäht bzw dekonstruiert.
Dabei konnte ich unter anderem aus meiner jahrelangen Erfahrung im Collagieren schöpfen.

Aus den Lederresten von meinem Arbeitsstipendium haben wir Portemonnaies, Stiftehalter zum Umhängen und Brustbeutel genäht.

Sweatshirts T-Shirts mit eigenen Motiven habe ich ebenfalls gestaltet und gedruckt. Entstanden ist eine Art Künstler-Merchandise Shop.